Angebotsengpässe, ein Automobilsektor im Wandel und der Krieg in Nahost schlagen sich in unterschiedlichen Entwicklungen auf den Märkten der einzelnen Platingruppenmetalle nieder.

Die fünf industriell bedeutenden Platingruppenmetalle Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium und Iridium werden oft gemeinsam betrachtet. Ihre Aussichten für 2026 sind jedoch alles andere als einheitlich. Dies geht aus dem jährlichen Marktbericht von Johnson Matthey für diese Rohstoffgruppe sowie dem aktuellen „Platinum Quarterly“ (PDF) des World Platinum Investment Council (WPIC) hervor. Demnach wird Platin voraussichtlich das vierte Jahr in Folge im Defizit sein. Der WPIC warnt zudem, dass die weltweiten Platinbestände bis Jahresende nur noch ausreichen könnten, um weniger als drei Monate der aktuellen Nachfrage zu decken.

Palladium und Rhodium hingegen dürften laut Prognosen hingegen in einen leichten Angebotsüberschuss rutschen. Dahinter steckt die rückläufige Produktion von Benzin- und Dieselfahrzeugen, die wiederum die Nachfrage nach Autokatalysatoren dämpft. Dies ist der mit Abstand größte Einsatzbereich beider Metalle.

Der WPIC weist darauf hin, dass sich der Trend im ersten Quartal 2026 kurzzeitig umgekehrt hatte. Platin verzeichnete damals mit 268.000 Unzen erstmals seit sechs Quartalen wieder einen Überschuss. Grund dafür war die nach der Preisrallye Ende 2025 wieder nachlassende Investmentnachfrage und die Verunsicherung auf den Märkten durch den Krieg in Nahost. Für das Gesamtjahr erwarten die Analysten jedoch erneut ein Defizit von 297.000 Unzen.

Auf der Angebotsseite wird für 2026 nur ein moderates Wachstum erwartet: Die Gesamtversorgung mit Platin soll lediglich um rund zwei Prozent steigen. Während das Recycling aufgrund höherer Preise um etwa neun Prozent zunimmt, bleibt die Minenförderung stabil.

Die wichtigste Angebotsentwicklung unter allen Platingruppenmetallen ist der starke Rückgang russischer Palladiumlieferungen. Der Konzern Norilsk Nickel erwartet einen Produktionsrückgang von zehn bis elf 11 Prozent, das wäre das niedrigste Niveau seit mindestens zwei Jahrzehnten. Zudem wurde das Unternehmen nach Anti-Dumping-Maßnahmen im vergangenen Jahr dauerhaft vom US-Markt ausgeschlossen.

Krieg im Iran bleibt Unsicherheitsfaktor

Auch die Nachfrage verschiebt sich deutlich. Der WPIC prognostiziert für 2026 einen Rückgang der gesamten Platinverbrauchs um neun Prozent auf 7,67 Millionen Unzen. Dabei nimmt der Bedarf aus den Bereichen Schmuck (minus zwölf Prozent) und Investment (minus 54 Prozent) ab, während die industrielle Nachfrage um etwa neun Prozent steigt.

Johnson Matthey verweist insbesondere auf den KI-getriebenen Ausbau von Rechenzentren als neuen Treiber, da dabei mehr Festplatten benötigt werden, die Platin und Ruthenium enthalten. Zudem wird 2026 erstmals ein nennenswerter industrieller Einsatz von Iridium in der Elektrolyse für grünen Wasserstoff erwartet, da große Projekte in Deutschland und Portugal kurz vor der Fertigstellung stehen.

Die größte Unsicherheit bleibt der Krieg im Iran. Schäden an der Infrastruktur haben die Preise für verschiedene chemische Vorprodukte in Asien deutlich steigen lassen. Viele der dort konzentrierten Fertigungsprozesse nutzen dabei Platingruppenmetalle als Katalysatoren. Sollte die Störung anhalten, könnten geplante Kapazitätserweiterungen in der petrochemischen Industrie gestrichen werden, was auch die Nachfrage nach Platingruppenmetallen beeinträchtigen würde.

Mehr zu den jüngsten Entwicklungen und Trends auf den Edelmetallmärkten: Zukunftsforum Edelmetalle 2026: Zwischen Volatilität, Strategie und Innovation – ROHSTOFF.net

Photo: davidf via Canva