Brüssel kündigt ein Investitionspaket über 200 Millionen Euro an, das auch nachhaltige Bergbauprojekte unterstützen soll. Die Erschließung von Grönlands umfangreichen Rohstoffvorkommen bleibt jedoch schwierig.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat bei einem Besuch in Grönland eine engere Zusammenarbeit mit der arktischen Insel angekündigt. Gemeinsam mit Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen und der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen unterzeichnete sie am Montag eine gemeinsame Erklärung dazu.
Über Global Gateway, das weltweite Investitionsprogramm der EU, stellt Brüssel für dieses und das kommende Jahr zudem 200 Millionen Euro für gemeinsame Vorhaben mit Grönland bereit. Gefördert werden sollen neben digitaler Vernetzung, Energieversorgung, Tourismus und Wohnungsbau auch kritische Rohstoffe. Konkret ist hier die Unterstützung nachhaltiger Bergbauprojekte mit Anbindung an die europäische Industrie geplant, etwa durch technische Analysen und die Vermittlung von Kontakten zu Investoren.
Bestehende Partnerschaft wird ausgebaut
Die neue Vereinbarung knüpft an eine Ende 2023 geschlossene Rohstoffpartnerschaft an. Während die EU damit ihre Rohstoffversorgung breiter aufstellen will, strebt Grönland eine Diversifizierung seiner bislang stark von der Fischerei und dänischen Finanzhilfen abhängigen Wirtschaft an. Die weitgehend selbstverwaltete Insel gehört zum Königreich Dänemark, ist aber nicht Teil der Europäischen Union.
Im März 2024 folgten die Eröffnung des ersten EU-Büros in Nuuk und die Ankündigung millionenschwerer Investitionen, darunter für kritische Rohstoffe.
Grönlands Rohstoffvorkommen: Großes Potenzial, große Hürden
Grönland verfügt über zahlreiche Vorkommen von Rohstoffen, die von der europäischen Industrie benötigt werden. Dazu zählen Seltene Erden, Graphit, Niob und Tantal, Platingruppenmetalle, Molybdän sowie Zink, Blei und Germanium.
Bislang ist mit dem Graphitvorkommen Amitsoq allerdings erst ein grönländisches Vorhaben als strategisches Projekt im Rahmen des Critical Raw Materials Acts der EU anerkannt. Potentiell bedeutend für die Rohstoffversorgung des Staatenverbunds könnten laut einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR auch weitere Lagerstätten wie das Molybdänprojekt Malmbjerg sein. Kurzfristig biete Grönland Deutschland und Europa jedoch keine nennenswerte Versorgungssicherheit, warnt die Behörde, denn die meisten Vorkommen befinden sich noch in der Explorations- oder Genehmigungsphase.
Fehlende Infrastruktur und arktisches Klima erschweren den Abbau
Zu den größten Hindernissen gehören laut BGR die weitgehend fehlende Infrastruktur, hohe Investitionskosten, die arktischen Klimabedingungen sowie die oftmals fehlende Zustimmung der Bevölkerung. Wie stark diese Faktoren die Entwicklung beeinflussen können, zeigen zwei prominente Beispiele: Beim Seltenerdprojekt Tanbreez begann Anfang 2026 zwar der Bau einer Pilotanlage, die komplexe Mineralogie macht die Gewinnung der Rohstoffe jedoch technisch anspruchsvoll und teuer.
Kvanefjeld hingegen, ebenfalls ein Seltenerdprojekt, liegt wegen des Urangehalts der Lagerstätte seit Jahren auf Eis, da ein 2021 beschlossenes Gesetz die Erkundung und den Abbau von Vorkommen ab einem bestimmten Urananteil untersagt. Vorausgegangen waren Debatten über mögliche Umweltrisiken und erheblicher Widerstand in der örtlichen Bevölkerung.
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